
ÖVP-Stockenboi
Die Wahlprogramme der drei, an der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl teilnehmenden Parteien, flatterten auf die Tische der Stockenboier Haushalte. In den nächsten Tagen werden diese auf Stockenboi Aktuell kommentiert. Was immer die jeweiligenKandidaten in persönlichen Gesprächen erzählen ist hier unerheblich, denn Worte sind oft wie Schall und Rauch und in sechs Jahren, vor der nächsten Wahl, kann man sich nicht mehr daran erinnern. An den jetzt vorgelegten Wahlprogrammen werden die Parteien jedoch 2015 gemessen.
Der Start der Serie erfolgt mit der ÖVP, vlg. die Schwarzen, mit ihrem Bürgermeisterkandidaten Josef Anichhofer.“Mehr Schwung für Stockenboi“ lautet ihr Wahlspruch. Dieser Schwung mag vielleicht für die einzelnen Personen gelten, im Wahlprogramm manifestiert er sich nur ansatzweise:
„Für einen Bankomaten in Zlan“: Diesen Wunsch als ersten Punkt anzuführen entbehrt nicht einer gewissen Komik. Wäre ein netter Service für die Bewohner Zlans, ist aber für die Zukunft der Gemeinde Stockenboi unerheblich.
„Für mehr Aktivitäten im Tourismus“: Da kann wohl niemand dagegen sein, aber welche?
„Für den Erhalt beider Schulstandorte“: Bei der Gemeinderatsstitzung am 14. Dezember stimmten beide ÖVP-Gemeinderäte für den Antrag eine weitere Schülerin nach Feistritz/Drau ziehen zu lassen und gleichzeitig fordert man den Erhalt beider Schulstandorte.
„Für einen leistbaren und sinnvollen Kanalbau“ und „Für den laufenden Ausbau der Wege und Straßen“: Aufrechterhaltung und Ausbau der grundlegenden Infrastruktur ist wohl das Mindeste, das man von Gemeindeverwaltern erwarten darf. Sonst kann man ja gleich die Eingemeindung in eine Nachbargemeinde forcieren.
„Für eine stärkere Nutzung von Alternativenergie“: Da kann wohl niemand dagegen sein, aber welche?
Den postulierten Phrasen fehlt es leider an inhaltlicher Substanz. Zu den Themen Abwanderung, Tourismuskrise und Goldeckausbau vermisst man jeglichen Lösungsvorschlag. Obwohl bemerkenswert viele junge Kandidaten auf der ÖVP-Liste zu finden sind, sucht man Punkte, die 16jährige Jungwähler ansprechen würden vergebens.
Am 8. Listenplatz ist die erste Frau zu finden. Das heißt, unter normalen Umständen gibt es eine ÖVP-Gemeinderätin nur bei Erringung der absoluten Mandatsmehrheit durch die Volkspartei. Dieses Signal an die Frauen dürfte auch in Stockenboi nicht mehr zeitgemäß sein.
Mindestens als mutig muss man den Schritt von Josef Anichhofer, für das Amt des Bürgermeisters in den Ring zu steigen, bewerten. Ein zukunftsorientiertes Wahlprogramm, das die Menschen in der Gemeinde überzeugt hätte, wäre eine gute Deckung gegen die harten Schläge, die der „gegnerische“ Amtsinhaber mit Erfahrung austeilen wird, gewesen.
Gustav Schatzmayr, Stockeboi Aktuell