5. Juli 2009...19:36

Gemeinderatssitzung: Ruine, Müll und Fäkalien

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Die Gemeinderatssitzung Ende Juni in Zlan begann so blitzartig, dass bereits um 19.03 Uhr (Beginn 19.00 Uhr) der zweite Tagesordnungspunkt „Leere Kassen“ beschlossen aber nicht gelöst war. Plumpes Streichen willkürlich ausgewählter Positionen ging vor einer intelligenten Zukunftsdisskussion. In dieser Tonart ging es weiter und gipfelte in einer absurden, halbstündigen Disukussion zum Thema Sondermüllsammlung.

Die Höhepunkte der Gemeideratssitzung:

+ Naturpark-Strandbad

+ Kanalisation Hochegg

+ Sperrmüllentsorgung

Naturpark-Strandbad

€ 81.200,– stehen im Budget dafür zur Verfügung. Die Realisierung rückt wieder mal in weitere Ferne, denn im Sommer 2009 werden von den Gemeindevertretern nur Bäder besichtigt und getestet. Gemeinsames Gemeinderatsplantschen in den Naturbädern Kärntens und vielleicht auch darüber hinaus ist geplant. Nach gegenseitigem Einölen stehen vielleicht sportliche Schwimmübungen am Programm und nebenbei werden dann auch noch die architektonischen Badewunderwerke scharf beäugt, um für das eigene Naturpark-Strandbad das Beste herauszuholen.

Faktum ist, dass das Strandbad in Stockenboi seit Jahren mit Riesenschritten Richtung Ruine schreitet. Dieses Jahr scheinen auch die Gemeinderäte ihre Abneigung, dem hauseigenen Strandbad gegenüber, dadurch zu tarnen, in dem sie vorgeben andere Bäder besichtigen zu müssen. Beim Untergang eines Schiffes geht der Kapitän normalerweise als Letzer von Bord. In Stockenboi ist es umgekehrt: man lässt die Gäste zurück in der Ruine und geht selbst auf Plantschtour. Der zukünftige architektonische Flopp wurde jedoch bereits im Rahmen dieser Sitzung herbeigeredet und schon jetzt gab man den unwilligen und weltfremden Architekten die Schuld für das Aussehen des zukünftigen Strandbades. Zur Aufklärung: Die Gemeinde bezahlt das neue Strandbad und die Architekten sind Ausführende jener Ideen, welche die Gemeinderäte im Rahmen der Sommerplantschtour 2009 durch die Strandbäder Kärntens, in ihrer bekannten Gewissenhaftigkeit, sammeln werden. Der Himmel möge Stockenboi jedoch vor dem Geschmack einiger Gemeinderäte beschützen.

Kanalistation Hochegg

Da ist „die Kacke ordentlich am Dampfen“. Für jahrelange Versäumnisse im Kanalbau wird jetzt die Rechnung präsentiert. In guten Zeiten, als die Förderungen hoch und die Baupreise moderat waren, verabsäumte die Gemeinderegierung den Ausbau zu forcieren, geriet so bei der Entsorgungsverpflichtung in Rückstand und um diesen wieder aufzuholen fehlt jetzt an allen Ecken und Enden das Geld. Das vermeintliche Konzept wird zum Flickwerk. Die Gemeindebürger am Hochegg wird die finanzielle Watschen bald erreichen. Bei den jetzige rosaroten Zahlen können sie mit einer Gebühr von € 2,33 pro Kubikmeter rechnen.

Die geschätzten Gesamtkosten schwanken zwischen 1,2 und mehr als 1,5 Millionen Euro. Mit den Anschlussgebühren der Hochegger sollen 130.000 Euro aufgebracht werden. Weiters beschloss der Gemeinderat die Aufnahme eines Darlehens in der Höhe von € 855.000,– zu einem gänzlich variabelen Zinssatz von jetzt 1,876 %. Ohne Diskussion und ohne Wimpernzucken wurde dem Paket zugestimmt. Die Darlehenslaufzeit beträgt jedoch zig Jahre und in der Zwischenzeit könnte der Zinssatz auch auf 15 % steigen. Die Gemeinderäte von Stockenboi gehen jedoch davon aus, dass der jetzige Zinsatz auf Jahrzehnte hinweg unverändert bleibt. Da muss man keine besondere Leuchte in Sachen Wirtschaft sein, um zu erkennen, dass die Welt nicht mitspielen wird. Die Gemeinde verzichtet auf eine Absicherung des Zinssatzes nach oben wie es jede Bank macht, ja machen muss. Aber sie hat ein einfaches Mittel für Korrekturen ihrer eventuellen Fehleinschätzung: Erhöung der Kubikmetergebühr bei den Kunden! Die Hochegger sollten sich nicht wundern, wenn der gepflegte Stuhlgang in Zukunft zum Luxusvergnügen mutiert.

Der Auftrag wurde von der Gemeinde Stockenboi an die Firma Swietelsky vergeben. Gemeinderat Kuttin äußerte mehrfach seine Vermutung der Preisabsprache unter den 12 Angebotslegern und versuchte die 50%ige Preissteigerung seit 2008 mit Saunagängen zu erklären. Er stimmte gemeinsam mit den Gemeinderäten Greinig und Karner gegen die Auftragsvergabe an Swietelsky.

Sperrmüllentsorgung

Ein dreißigminütiger Sprechdurchfall überfiel alle Fraktionen im Gemeinderat zum Thema Sperrmüllsammlung und dessen Abtransport von den Sammelstellen. Zum Thema Müll scheint wohl fast jeder Gemeinderat – inklusive Bürgermeister – eine Meinung zu haben, die er der Weltöffentlichkeit nicht verheimlichen will. Zu den Zukunftsthemen Arbeitsplätze in der Gemeinde, Stopp der Abwanderung, Tourismusintitiativen, Technologieinvestitionen fällt leider keinem Gemeinderat – wieder inklusive Bürgermeister – etwas ein und deshalb kommen solche Punkte gleich gar nicht auf die Tagesordnung. Es ist für die Bürger der Gemeinde Stockenboi zu befürchten, dass sich zu diesen Themen auch in Zukunft nichts ändern wird, denn in punkto Ignoranz und Ideenlosigkeit marschieren BZÖ, SPÖ und ÖVP im gekonnten Gleichschritt Richtung Stillstand.

Gustav Schatzmayr, Stockenboi Aktuell

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