Marcus Kaller, Geschäftsführer der Goldeck Bergbahnen zur Zukunft des Sportbergs Goldeck und den Chancen der Gemeinde Stockenboi.
Stockenboi Aktuell: Wie schaut es zurzeit am Goldeck aus, Herr Kaller?
Marcus Kaller: Die neue Talbahn, das Kernstück des Gesamtausbaus am Goldeck, ist in Betrieb. Kosten rund 11 Millionen Euro. Mit einer Stundenleistung bis 2.400 Personen, im Vergleich dazu die 360 Personen pro Stunde mit der alten Gondelbahn.
Zusätzlich ist der Bärnbiss als 6er-Sessellift und nach witterungsbedingten Anlaufproblemen auch die Gipfelbahn in Betrieb gegangen. Am 2. Jänner 2011 gab es einen halben Meter Neuschnee am Goldeck.
Bei der Talabfahrt muss auf Naturschnee gewartet werden, denn die Wasserreserven sind knapp, da aufgrund des Sturms im Gipfelbereich der produzierte Schnee verweht wurde.
An den ersten Tagen im Jahr 2012 kamen pro Tag rund 1.000 Besucher. Zahlen, die vor dem Ausbau nur an wenigen Spitzentagen erreicht wurden.
Stockenboi Aktuell: Ist auf der Spittal zugewandten Seite noch ein weiterer Ausbau bei den Pisten geplant?
Marcus Kaller: Nein, ist auch technisch nicht möglich. Die Talabfahrt wird an bestimmten Stellen noch verbessert werden. Im Wesentlichen ist der Ausbau auf der Spittaler Seite abgeschlossen. Ein zweiter Speicherteich wird noch zu errichten sein, wenn der Ausbau voll abgeschlossen sein wird
Wir haben ein Ausbauprogramm, das aus bestimmten Projektteilen besteht. Einige davon sind bereits realisiert, andere noch nicht. Noch nicht gebaut wurden: Das Infrastrukturgebäude in Spittal, die Erweiterung der Beschneiung und der Lift ins Seetal, die Begradigung des Seetalliftes. Der neue Seetallift wäre 2011 sowieso nicht realisiert worden. Der alte „Kurvenlift“ hätte im Laufe der Saison die Konzession verloren. Da hätte man sich aber drüberretten und um eine Saison erstrecken können. Aber es wären Reparaturen in der Höhe von € 70.000,– angefallen und das ist für eine Saison aus wirtschaftlichen Gründen nicht zumutbar.
Stockenboi Aktuell: Betriebswirtschaftlich mag diese Argumentation stimmen, trotzdem gelten Sie und die Goldeck Bergbahnen in Stockenboi als der vertragsbrüchige Partner, der die Stockenboier im Regen stehen lässt.
Marcus Kaller: Das ist eine blöde Situation gewesen. Wenn die aufwendigen Reparaturen beim Seetallift (Kurvenlift) nicht angefallen wären, hätten wir die Saison ganz normal gefahren, wie in den letzten Jahre und in weiterer Folge, den Ausbau von der Entwicklung des Seetals abhängig gemacht.
Aus meiner Sicht ist es relativ klar. Das Seetal ist ein zentraler Punkt einer Sommerschließung des Goldecks. Das ist die große Zukunft des Seetals. Aber es muss eine Belebung in Form von Gastronomie, Hotel oder Gastronomiebetrieb realisiert werden.
Dass man dann einen Lift baut, um den Gast das Gipfelerlebnis zu bieten, versteht sich von selbst. Dieses Konzept haben wir auch immer so verfolgt: das Seetal ist das zentrale Sommerthema und im Winter sollte es ein Ort, einer etwas anderen Form des Tourismus sein. Sanfter Tourismus mit Wandern und Langlaufen sind als echte Herausforderung für das Wintergeschäft im Seetal zu sehen. Aber das setzt voraus, dass man den Leuten was bietet, zumindest eine zeitgemäße Gastronomie.
Stockenboi Aktuell: Es muss im Seetal etwas passieren, damit etwas passiert.
Marcus Kaller: Das war immer so! Die Ausbaupläne, die wir angeblich nicht einhalten – was ja gar nicht stimmt – basieren auf einen solchen Konzept und man muss schauen, wie man das hinbringt. Es gibt ja neben Kneissl weitere Interessenten, die dieses Gebiet als lohnenswert sehen, weil es ein glaubwürdiges Ganzjahresprojekt sein könnte. Die Straße ist da, die soll man nützen, man fährt in eine außergewöhnliche Naturarena. Das nicht zu nützen wäre ja schwachsinnig.
Stockenboi Aktuell: Wann gibt es den neuen Lift im Seetal?
Marcus Kaller: Es muss ein ganzes Konzept stehen, dazu bekenne ich mich. Auch ein sanfter Tourismus braucht einen Kristallisationspunkt mit Infrastruktur, ein Parkplatz alleine ist zuwenig.
Stockenboi Aktuell: Wer ist jetzt am Zug damit etwas im Seetal passiert?
Marcus Kaller: Die Vorarbeiten von Gemeinde und Bergbahnen Goldeck sind soweit gediehen, dass man jetzt seriös an mögliche Investoren herantreten kann, um sie für das Seetal zu begeistern. Da sind wir weiter als es landläufig bekannt ist. Wir haben die UVP über das gesamte Gebiet inkl. Ausbau des Seetals, wir haben ein Kanalprojekt, das genehmigt ist, es sind Vorarbeiten zur Wasserversorgung und –entsorgung realisiert. Alles Voraussetzungen für die Investorengewinnung und je glaubhafter wir das gemeinsam künftigen Investoren schmackhaft machen können, desto schneller wird das realisiert werden.
Ich kann jetzt nicht abschätzen ob Kneissl das Projekt wieder aufgreift, es kann aber auch ein anderer das Projekt realisieren und wenn es das Hotel nicht wird, dann werden wir versuchen eine tragfähige Gastronomie aufzubauen. Es muss ja auch Thema sein, die Gäste am Berg zu beschäftigen. Das Seetal bietet sich für manigfaltige Sporteinrichtungen an. Mountainbiking, Downhillracing, Elektrobiking und, und, und. Es gibt genug Themen, um diesen Standort aufzuladen und für den Gast interessant zu machen.
Stockenboi Aktuell: Die Seetalseite des Goldecks gehört zur Gemeinde Stockenboi.
Marcus Kaller: Die Gemeinde widmet sich dem Thema intensiv und seit dem ich die Gemeinde Stockenboi und die dortigen Verantwortlichen persönlich kenne, attestiere ich absoluten Willen dort etwas zu entwickeln und etwas zu machen.
Die Gemeinde wird kein Hotel und kein Gasthaus bauen. Was eine Gemeinde kann ist, Voraussetzungen zu schaffen, damit jemand dort oben aktiv werden kann und das wird gemacht. Wir als Goldeck Bergbahnen tragen dazu bei, indem wir jede Aktivität unterstützen und wenn uns jemand braucht, sind wir mit von der Partie. Alles was die Gemeinde Stockenboi bisher machen konnte, hat sie erledigt.
Stockenboi Aktuell: Was könnte die Gemeinde Stockenboi noch machen. Was könnte sie vorantreiben?
Marcus Kaller: Wie weit es die Politik und die Gemeinde selbst kann, das kann ich nicht abschätzen. In Wirklichkeit weiß ich, dass Projekte dort entstehen, wo eine Aufbruchstimmung herrscht, dass Projekte dort entstehen, wo eine positive Stimmung herrscht und da habe ich dann manchmal Sorgen, dass in manchen Berichterstattungen, Wirtshausdiskussionen und sonstigen ein unglaublicher Pessimismus, fast Niedergeschlagenheit herrscht.
Wir haben jetzt ein Skigebiet, dessen Fortbestand gesichert ist. Bis vor wenigen Jahren war es nicht sicher, dass der Goldeckausbau stattfinden wird und auch da hat gerade die Gemeinde Stockenboi einen sehr positiven Beitrag geleistet.
Was könnte man noch machen? Ich würde jeden bitten, der in Stockenboi Einfluss hat, das Erreichte es positiv zu sehen und eine Aufbruchstimmung zu schaffen.
Bis vor 5 Jahren hat es ausgeschaut, dass das Goldeck zugesperrt wird, dann hätten wir gar nichts. Dann hätte sich die Bergbahn Goldeck nicht beschimpfen lassen müssen, dass sie angeblich wortbrüchig ist. Es hätte einen traurigen Abgesang gegeben, aber das wäre es dann gewesen. Aber das kann ja nicht die Entwicklungsvision einer Gemeinde sein.
Stockenboi Aktuell: Die Erschließung des Goldecks ist der Rahmen, in dem sich Stockenboi in den nächsten Jahren als Tourismusort etablieren könnte. Derzeit regiert eine Trauerstimmung vom Weissensee bis zum Goldeck.
Marcus Kaller: Diese absolut pessimistische Grundhaltung irritiert mich beim Kontakt mit den Menschen dieser Region schon immer. Diesen Pessimismus müssen wir aufbrechen und die Chancen sehen.
Der Goldeckausbau hat ja nicht stattgefunden weil man das Land oder irgend jemanden davon überzeugen konnte, dass Oberkärnten ein weiteres Skigebiet braucht, das war nicht die Diskussion. Ich habe argumentiert, dass es in Wahrheit um die Region zu der auch Stockenboi gehört, geht. Mit Hauptfokus am Millstätter See, wo es an und für sich noch eine einigermaßen intakte touristische Infrastruktur gibt, wo sich die Spirale aber pausenlos nach unten dreht. Mit dem Goldeckausbau ist die Region Millstätter See mit rund 2.500 Betten glaubhaft in der Lage ein Winterangebot zu verkaufen und ihre Auslastung zu erhöhen.
Das wird die Herausforderung der nächsten 10 bis 15 Jahre werden, um den Weg nach unten zu stoppen und wieder soweit hinauf kommen, damit wieder in Qualität investiert werden kann. Es gibt auch Zusagen des Landes Kärnten, den Hoteliers am See bei Investitionen in die Infrastruktur zu helfen.
Und genau dasselbe gilt für Stockenboi. Mit dem Startschuss zum Goldeckausbau wurde begonnen das Camp Royal zu bauen, heute bauen sie den vierten Turm und es ist eine Erfolgsgeschichte. Das ist in Seeboden sicher nicht entstanden weil alle fürchterlich traurig waren und darüber nachgedacht haben, wem sie jetzt den Schwarzen Peter für irgend etwas zuschieben, sondern es ist aus einer grundsätzlich positiven Grundhaltung entstanden. Diese Einladung geht auch nach Stockenboi. Der Herr Bürgermeister und die Gemeinderäte werden kein Hotel bauen, aber die Region hätte Kraft genug, gerade im Hinblick auf sanften Tourismus, spezielle Angebote zu schaffen.
Die Gemeinde Stockenboi hat den Vorteil an einem Skigebiet zu liegen, bei dem jetzt drei neue Liftanlagen den Bestand für weitere 30 Jahre sichern. Jetzt muss einem was anderes einfallen, als zu jammern, warum jetzt im Moment noch nicht alles realisiert wurde, was man sich wünscht. Sondern ich muss mir überlegen, welchen Beitrag kann ich leisten, um die gebotenen Chancen umzusetzen. Und das spielt sich nicht in der Gemeindestube ab und nicht im Kopf der Mandatare ab, sondern das muss sich in der Bevölkerung durchziehen, da muss eine positive Grundhaltung her. Sonst findet man keinen Investor.
Was kann Stockenboi beitragen, damit es positiv weitergeht? Nicht Schuldige suchen, wenn etwas nicht sofort in dem Umfang wie gewünscht gemacht wurde, sondern selber laufen und arbeiten, am besten gemeinsam mit uns (den Bergbahnen) und dieses Angebot gibt’s.
Stockenboi Aktuell: Wo sehen Sie das Goldeck in 5 Jahren?
Marcus Kaller: Der Berg muss für den Gast im Sommer fühlbar und erlebbar gemacht werden. Das ist die große Herausforderung und da spielt das Seetal eine ganz zentrale Rolle. Das Potenzial für den Sommer liegt vollkommen unberührt herum.
Wenn man das Seetal nur aus der Winterperspektive anschaut, dann mag die Aussage, dass das Seetal zu hinterfragen ist, durchaus richtig sein.
Natürlich können wir jetzt noch bis 2020 mit der Gondelbahn bis zum Gipfel fahren und dann? Was machen wir dann mit den Leuten? Am Gipfel wird man keine Mountainbike-Strecken anlegen können, das ist hochalpines Gelände und da darf man nicht fahren und das ist das Potenzial des Seetals. Dazu wird es vieler Aktivitäten, Ideen und positiv gestimmte Menschen brauchen, damit die Gäste dort hinfahren und sich wohlfühlen.
Stockenboi Aktuell: Und diese Aktivitäten im Seetal gehen noch mehr in Richtung Stockenboi?
Marcus Kaller: Definitiv und das kann Stockenboi auch schon heute bedienen und aus diesem Reservoir schon heute schöpfen. Das wäre eine Chance für Stockenboi und vielleicht bringen wir wirklich ein Tophotel ins Seetal. Aber die Tatsache, dass es jetzt kein Hotel gibt soll nicht daran hindern, die anderen Aktivitäten anzugehen. Für den Sommertourismus im Seetal braucht man nicht einmal mal die Bergbahnen, um einen Beginn zu setzen.
Stockenboi Aktuell: Herr Kaller, danke für das Gespräch und viel Erfolg.
Gustav Schatzmayr, Stockenboi Aktuell




Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass sich ein Investor für das Seetal findet. Sämtliche Voraussetzungen sind da: wie, das tolle Panorama, die neuen Lifte, Kanal, Wasser, die Zufahrt, etc. Alles nur noch eine Frage der Zeit ……. Glück auf!!!!